Das Mutterschiff: The Ferry Inn in Stromness

Teaser Ferry Inn Stromness
Orkney Inseln Stromness

Die Northlink Fähre MV Hamnavoe fährt in Stromess ein ©Sabine Mey-Gordeyns, travelstories-reiseblog.com

Der Fähranleger in Stromness

– The Ferry Inn oder Ferry Boat Inn ist im englischen Sprachraum etwa das, was in deutschsprachigen Gefilden das „Gasthaus zur Post“ ist: eine uralte Institution, Verbindungsstation mit der Außenwelt und geschützter Rastplatz. Bei der „Post“ hielten früher die Kutschen, heute parken dort Busse und Autos.

Das Ferry Inn liegt am Fähranleger in Stromness auf den Orkney Inseln, und der kleine Hafen von Stromness ist sehr geschäftig: Fischtrawler, kleine Fähren zu den anderen Orkney-Inseln, private Kähne und kommerzielle Boote, die Tauchreisende nach Scapa Flow begleiten – hier ist immer was los. Zu beinahe kleinstädtischer Betriebsamkeit läuft der Fähranleger auf, wenn hier mehrmals täglich die Northlink-Fähre MV Hamnavoe abfährt oder anlegt und bis zu 600 Passagiere und 70 Autos aus ihrem dröhnenden Schiffsrumpf ausspuckt. Stets mehr Erholungssuchende entdecken die Orkney Inseln als Urlaubsziel.

Ferry Inn am Fähranleger

The Ferry Inn – direkt am Fähranleger ©Sabine Mey-Gordeyns, travelstories-reiseblog.com

Hamnavoe ist der alte Wikinger-Name für Stromness, und ein kühner Wikinger in blau auf der Seitenansicht der Fähre verleiht ihr einen klitzekleinen Flair von Abenteuer. Selbstverständlich ist Stromness dann auch der Heimathafen der MV Hamnavoe, nachts ankert sie im Hafen und thront wie eine lichtgeschmückte Übermutter im Wasser. Das dumpfe Wummern ihrer Dieselmotoren schwingt sanft und beruhigend durch die schmalen Gassen von Stromness.

Restaurant Ferry Inn in Stromness – Familienbetrieb mit Geschichte

Durch diese malerischen Gassen geht man zum Hafenanleger hinunter und findet einfach das Ferry Inn. Es ist kalt, nass und regnerisch und wir werden förmlich in den schützenden Eingang des Restaurants hineingeweht. Wir fühlen uns sofort wie an Deck eines großen noblen Segelbootes: Von der Decke schweben Segel, honigfarben schimmern die Holzdielen, eine Fototapete in geschmackvollem Sepia zeigt innen das, was draußen ist: den Hafen – und sorgfältig eingedeckte Tische vermitteln sogleich das Gefühl willkommen zu sein. „Die Inneneinrichtung habe ich selbst konzipiert und angefertigt“ erklärt uns Inhaber Gareth stolz.

Ferry Inn Stromness

Maritimes feeling im Ferry Inn ©Sabine Mey-Gordeyns, travelstories-reiseblog.com

2012 wurde das Ferry Inn von den neuen Eigentümern komplett renoviert. Karen und Gareth Crichton, das Eigentümerehepaar, haben sich als Jugendliche beim jobben im Ferry Inn kennen gelernt und viele Jahre gemeinsam dort gearbeitet. Wie so viele Orkadier, absolvierten sie auf dem Festland ihre Ausbildung und kehrten zurück, als die Kinder kamen. Zunächst betrieben sie ein Hotel annex Restaurant in Kirkwall und als vor 3 Jahren das Ferry Inn zur Disposition stand, haben sie es kurzerhand von ihrem ehemaligen Chef übernommen und können jetzt wieder am Ausgangspunkt ihrer eigenen Geschichte anknüpfen. „Uns ist wichtig, dass das Restaurant ganzjährig geöffnet ist und wir auch außerhalb der Saison lokale Arbeitsplätze für Einheimische bieten können“ – ein sympathischer Aspekt, der nicht überall so selbstverständlich umgesetzt wird.

Ferry Inn

In der Bar und im Pub ist immer was los – Treffpunkt für Einheimische ©Sabine Mey-Gordeyns, travelstories-reiseblog.com

 

Restaurant Ferry Inn in Stromness – Das kulinarische Erlebnis

Eine kompetente Servicekraft nimmt uns die Garderobe ab, geleitet uns zum Tisch und bringt uns sofort einen Krug mit frischem Wasser und durch den Küchenchef gebackenes Brot. Das fängt ja gut an. Restaurantbereich, Bar und Pub gehen ineinander über und insgesamt finden hier 80 Gäste Platz. Heute, an einem Dienstagabend in der Vorsaison, ist das Restaurant zu 95% besetzt, das sagt etwas über die gute Reputation dieses Hauses.

Orkney Food & Drink ist in Schottland als besonders frisch und hochwertig anerkannt und dieser Regionalvorteil wird im Ferry Inn genutzt. An der Bar gibt es die auf Orkney gebrauten Biere wie z. B. Scapa Special und den preisgekrönten Whisky von Highland Park. Lokales Rindfleisch, frisch angelandeter Fang der Fischereiflotte wie Weißfisch, Hummer (Lobster), handgeerntete Riesen-Jakobsmuscheln (Scallops) und Krebse (Crab) werden zu schmackhaften und bodenständigen Gerichten verarbeitet, die sich deutlich von den sonst üblichen Pub-Gerichten abheben.

Auf der Karte finden sich dann auch echte schottische bzw. orkadische „signature dishes“, wie z.B. Orkney Steak and Ale Pie , Orkney Steak, Jakobsmuscheln, fangfrische Schalentiere und als Beilage sogar Clapshot – ein althergebrachtes Gericht (Püree aus Kartoffeln und Rüben). Und vor allem mein neues Lieblingsgericht: Seafood Chowder (eine Art Fisch-Eintopf) – aber dazu später mehr.

Wir entscheiden uns für das Folgende: Seafood Chowder und Scallops als Vorspeise, gefolgt vom Orkney Steak and Ale Pie und Salmon Cajun Style.

Seafood Chowder: Weißfisch-Fleisch und Räucherfischfleisch vermengen sich mit ganz wenig Gemüse, kleinen Kartoffelstückchen, Kräutern und reichlich Sahne zu etwas, wovon man im fernen Deutschland nur träumen kann. Ein Eintopf der Extraklasse! Dass bei so viel frischem Fisch auch mal eine Gräte dazwischen rutschen kann verzeiht man dem Küchenteam großzügig. Die große Schale ist so reichhaltig, dass man danach eigentlich mit einem Salat zufrieden wäre. Dieses Gericht ist ein absoluter Seelentröster, genau das, was man braucht wenn man aus Kälte und Regen durchgefroren im Restaurant ankommt. Wenn man das gegessen hat, ist die Welt wieder in Ordnung, wie bei Muttern.

Die Scallops/ Jakobsmuscheln: In einer großen Muschelschale kommt das Muschelfleisch zerkleinert und wunderbar verfeinert daher, die Brotkrümeldekoration hätte vielleicht etwas dünner sein können, denn geschmacklich ist das Ganze wirklich lohnenswert.
Das Steak & Ale Pie kommt dampfend heiß auf den Tisch, die kleinen Fleischstücke sind im Bier butterweich geschmort, schmecken sehr herzhaft und die Piekruste ruht fluffig auf dem Fleisch. Dazu werden neue Kartoffeln in dünner Schale und gebuttertes Erbsen-Möhrengemüse serviert.

Ferry Inn Stromness Collage

Seafood Chowder, Orkney Steak and Ale Pie, Sticky Toffee Pudding ©Sabine Mey-Gordeyns, travelstories-reiseblog.com

Der Cajun-Lachs wäre bei uns „auf dem Kontinent“ etwas würziger, die britische Küche geht mit Gewürzen generell etwas zurückhaltender um als wir gewohnt sind. Das Lachsfleisch ist mager, saftig und fällt genau richtig von der Gabel. Als Beilage auch hier die neuen Kartoffeln und verschiedene Gemüse, mediterran auf die Antipasti-Art im Ofen geröstet.

Als Nachspeise ordern wir Rhubarb Fool und Sticky Toffee Pudding. Der Sticky Toffee Pudding wird lauwarm mit Karamelsauce serviert und bildet einen harmonischen Abschluss, genauso wie der sehr empfehlenswerte Rhubarb-Fool, so eine Art schottisches Tiramisu: Kekskrümel, Rhabarberkompott und ein cremiges Sahneprodukt vermengen sich zu etwas, von dem man viel zu gerne zu viel essen würde.

Obwohl auf der Karte auch eine große Weinauswahl angeboten wird, entscheiden wir uns für die Orkney Ales Scapa Flow und Island Hopping, die Biere passen ausgezeichnet zu den herzhaften Gerichten.

Ferry Inn in Stromness

Zwischen Fähranleger und Dorf liegt das Ferry Inn ©Sabine Mey-Gordeyns, travelstories-reiseblog.com

Die Portionen sind reichhaltig, der Service ist durchgehend aufmerksam und kompetent. Das Preis-Leistungsniveau ist sehr gut. Im Sommer kann bei schönem Wetter draußen sitzen und Schiffe gucken. Und wenn man dann schon gar nirgends anders mehr hinwill, dann bleibt man einfach da, im Mutterschiff „Ferry Inn“. Es werden auch Zimmer vermietet.

Weitere Informationen und eine aktuelle Speisekarte gibt es hier: ferryinn.com

Die Orkneyinseln im hohen Norden Schottlands eignen sich optimal als Abstecher für den Roadtrip #NorthCoast500.

Vielleicht interessiert Dich auch: Eine Sehenswürdigkeit aus der Vergangenheit im Süden der Orkneyinseln – das Tomb of the Eagles.

Wir wurden vom Ferry Inn eingeladen, vielen Dank! Unsere Leser dürfen wie immer sicher sein, dass ich stets meine Ansichten und Begeisterung vertrete.

© Foto und Texte: Sabine Mey-Gordeyns, travelstories-reiseblog.com

Dieser Beitrag erscheint ausschließlich auf travelstories-reiseblog.com. Alle Inhalte sind urheberrechtlich geschützt. Jeglicher Missbrauch wird strafrechtlich verfolgt.

This feature appears exclusively on travelstories-reiseblog.com. Any violation of my copyrights will be persecuted.

In Verbindung bleiben? Gerne!

2 Comments

  • Jutta sagt:

    Von solchen Orten kann es eigentlich nicht genug geben! Es ist schön, wenn ein Pub, ein Café, ein Restaurant von den Inhabern geführt wird, wenn die persönliche Note spürbar (und sichtbar) ist und das Essen gut. Für mich muss es nicht „aufgebrezelt“ und „stylish“ sein. Originell, frisch und regional sind mir wichtiger. Das Konzept ist sympathisch: auch in der Off-Saison zu öffnen, um so das Team weiter beschäftigen zu können. Kontinuität schlägt sich ja schließlich in der Qualität nieder. Und dazu gehört auch der Service!. Sollte ich es einmal auf die Inseln schaffen, werde ich ich im Ferry Inn einkehren! Sonnige Grüße, Jutta

  • Sabine sagt:

    Liebe Jutta,
    ich bin mir sicher, daß Dir dieser Ort absolut zusagen würde!
    Viele Grüße,
    Sabine

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.