Der Herr der Steine – Besuch bei Nick Card, dem Grabungsleiter des Ness of Brodgar auf Orkney in Schottland

Coverphoto Ness of Brodgar

Die Entdeckung einer „Steinzeit-Kathedrale“ am Ness of Brodgar auf den Orkneys im Norden Schottlands stellt die Bedeutung von Stonehenge in Frage und positioniert die Orkneyinseln in den Mittelpunkt der damaligen Welt.

Worum geht es hier?

Um nichts Geringeres als die „Entthronung“ von Stonehenge!

Mal ganz ehrlich: ich war 2013 endlich in Stonehenge. Dieser magische Ort war in meiner Vorstellung groß, übermächtig und magisch. Seit Jahrzehnten wuchs dieser Ort zu einem Tor in eine andere Welt in meinem Inneren, die Medienwelt hatte mit seltenen Lichtstimmungen und sensationellen Fotos das Ihrige dazu beigetragen. Bedeutendste prähistorische Kultstätte Europas! Der Reality-Check konnte eigentlich nur misslingen.

Stonehenge an einem trüben Tag. Das Foto gibt die Lichtverhältnisse realistisch wider. So menschenleer ist es allerdings nur 1 Minute lang. ©Sabine Mey-Gordeyns

Stonehenge an einem trüben Tag. Das Foto gibt die Lichtverhältnisse realistisch wider. So menschenleer ist es allerdings nur 1 Minute lang. ©Sabine Mey-Gordeyns, travelstories-reiseblog.com

Und genau das passierte: an einem bedeckten kühlen Tag im April, inmitten von Busladungen Trivialitäten von sich gebender Pauschalreisender und im geforderten physischen Abstand zu den Ehrfurcht gebietenden Riesensteinen passierte – rein gar nichts. Ich wusste vorher, dass ich die Steine nicht berühren könnte, wusste, dass der innere Kreis der Öffentlichkeit nicht zugänglich ist.

Stonehenge in HDR - Mehrfachbelichtung. So sieht alles mystisch aus! Nur mal so als Beispiel. ©Sabine Mey-Gordeyns

Stonehenge in HDR – Mehrfachbelichtung. So sieht alles mystisch aus! Nur mal so als Beispiel. ©Sabine Mey-Gordeyns, travelstories-reiseblog.com

Was ich nicht ahnte: dass ich Stonehenge als klein empfinden würde! Dass Stonehenge nach meinem Besuch 2010 am Ring of Brodgar auf den Orkneyinseln im Norden Schottlands wie ein Miniaturmodell für eine Bühnenstück wirken würde, dessen Uraufführung auf den Orkneyinseln stattfindet! Insgesamt war mein Besuch in Stonehenge ein ernüchterndes Erlebnis.

Ring of Brodgar im Weltkulturerbe "The Heart of Neolithic Orkney" auf den Orkneyinseln ©Sabine Mey-Gordeyns

Ring of Brodgar im Weltkulturerbe „The Heart of Neolithic Orkney“ auf den Orkneyinseln ©Sabine Mey-Gordeyns, travelstories-reiseblog.com

Die Errichtung von Stonehenge lag noch 500 Jahre in der Zukunft, als die Avantgarde der Jungsteinzeit hoch im Norden des heutigen Schottland um 3200 v. Chr. eine „Kathedrale“ am Ness of Brodgar auf den Orkneyinseln errichtete, die alles was bisher über diese Zeit bekannt war, auf den Kopf und in den Schatten stellt.

Es geht darum, ein noch von der Weltöffentlichkeit wenig beachtetes „Ägypten des Nordens auf den Orkneyinseln“ endlich auf die Karte zu setzen. Die Pyramiden von Gizeh entstanden erst 500 Jahre nach der „Jungsteinzeitliche Kathedrale“, die im Archäologen-Jargon ganz nüchtern als „Structure Ten“ bezeichnet wird.

Um die ganze Sache ein wenig aufzulockern, geht es auch um meinen traumwandlerischen Weg zu diesem magischen Ort „Ness of Brodgar“, der aktuell bedeutendsten jungsteinzeitlichen Ausgrabungsstätte. Und darum, wie ich mit Nick Card, dem Grabungsleiter des Archäologischen Institutes der University of the Highlands and Islands in Kontakt kam.

 

Hochkultur der Jungsteinzeit auf dem abgelegenen wilden Inselarchipel?

Die Orkneyinseln gelten heute als abgelegen. Aber jahrtausendelang waren sie ein maritimer Knotenpunkt, eine Inselgruppe auf dem sich viele Seewege und Handelsrouten kreuzten. Die Tempelanlage am Ness könnte als größtes sakrales Bauwerk der Steinzeit eine bedeutende Pilgerstätte gewesen sein.

 

Was ist dieser Ness of Brodgar?

Der Ness of Brodgar ist ein schmaler Landstreifen auf der größten Orkneyinsel Mainland, eingeklemmt zwischen dem Loch of Harray und dem Loch of Stennes, umrahmt von zwei Megalithanlagen (dem Steinkreis Ring of Brodgar und den Stones of Stennes). Gemeinsam mit dem Grabhügel Maeshowe und dem gut erhaltenen jungsteinzeitlichen Dorf Skara Brae stehen diese Monumente seit 1999 auf der Weltkulturerbe-Liste.

Übersichtskarte Orkneyinseln: Das Welkulturerbe "The Heart of Neolithic Orkney" liegt im rot markierten Bereich ©Sabine Mey-Gordeyns

Übersichtskarte Orkneyinseln: Das Welkulturerbe „The Heart of Neolithic Orkney“ liegt im rot markierten Bereich ©Sabine Mey-Gordeyns

 

Stones of Stenness im Weltkulturerbe "The Heart of Neolithic Orkney" auf den Orkneyinseln ©Sabine Mey-Gordeyns

Stones of Stenness im Weltkulturerbe „The Heart of Neolithic Orkney“ auf den Orkneyinseln ©Sabine Mey-Gordeyns, travelstories-reiseblog.com

 

Ring of Brodgar im Weltkulturerbe "The Heart of Neolithic Orkney" auf den Orkneyinseln ©Sabine Mey-Gordeyns

Ring of Brodgar im Weltkulturerbe „The Heart of Neolithic Orkney“ auf den Orkneyinseln ©Sabine Mey-Gordeyns, travelstories-reiseblog.com

 

Maeshowe im Weltkulturerbe "The Heart of Neolithic Orkney" auf den Orkneyinseln ©Sabine Mey-Gordeyns

Maeshowe im Weltkulturerbe „The Heart of Neolithic Orkney“ auf den Orkneyinseln ©Sabine Mey-Gordeyns, travelstories-reiseblog.com

 

 

Skara Brae: Jungsteinzeitliche Wohnkultur im Welkulturerbe "The Heart of Neolithic Orkney" ©Sabine Mey-Gordeyns

Skara Brae: Jungsteinzeitliche Wohnkultur im Welkulturerbe „The Heart of Neolithic Orkney“ ©Sabine Mey-Gordeyns, travelstories-reiseblog.com

 

Mit Tuchfühlung auf der Vergangenheit in Skara Brae im Welkulturerbe "The Heart of Neolithic Orkney" ©Sabine Mey-Gordeyns

Mit Tuchfühlung auf der Vergangenheit in Skara Brae im Welkulturerbe „The Heart of Neolithic Orkney“ ©Sabine Mey-Gordeyns, travelstories-reiseblog.com

 

Man ahnte schon immer einen Zusammenhang zwischen diesen Anlagen, aber mit der Entdeckung der Tempelanlagen auf dem Ness in Schottland wurde dies zur Gewissheit: Gefunden wurde ein 5.000 Jahre alter Komplex, der aus mehreren Gebäuden besteht, wobei die „Structure Ten“ mit 25 m Länge, 19 m Breite und 4 m dicken Mauern sicher die beeindruckendste ist. Das Häuserensemble ist von einer hohen und dicken Mauer umgeben.

Luftaufnahme Ausgrabungsstätte Ness of Brodgar 2014, mit freundlicher Genehmigung von © Adam Stanford

Luftaufnahme Ausgrabungsstätte Ness of Brodgar 2014, mit freundlicher Genehmigung von © Adam Stanford

Die optimale Lage in der Landschaft zwischen zwei Süßwasser-Gewässern und der fruchtbare Boden boten der damaligen Gesellschaft optimale Bedingungen. Die Bauten auf dem Ness wurden wahrscheinlich ca. 1.000 Jahre lang für verschiedene Zwecke genutzt. Dann ergaben sich womöglich gesellschaftliche Veränderungen, über die man noch nichts weiß. Fest steht, dass 2.300 v. Chr. nach einem großen Festgelage mit ca. 400 Rindern eine mysteriöse, zeremonielle Vernichtung der Strukturen stattfand.

Südliche Umgrenzungsmauer vom Ness of Brodgar, mit freundlicher Genehmigung von Nick Card © ORCA

Südliche Umgrenzungsmauer vom Ness of Brodgar, mit freundlicher Genehmigung von Nick Card © ORCA

 

Der Weg, der vor der Begegnung mit Nick Card liegt

…ist lang gewesen und begann in meiner Jugend, in der ich mich schon sehr für Archäologie interessierte. Das Interesse für alte Kulturen ist geblieben, deshalb bin ich auch Dauergast auf BBC2 und liebe die Dokumentationen von Neil Oliver, einem schottischen Archäologen. Er hat das Talent, geschichtliche Zusammenhänge anschaulich mit Anspruch rüberzubringen ohne sich dem vereinfachenden Mainstream anzubiedern. „Vikings“, „A History of Ancient Britain“, „A History of Celtic Britain“ sind nur einige Beispiele dieser sehenswerten Dokumentationen, die Neil Oliver mit charmantem leicht schottischem Akzent präsentiert.

Axtkopf vom Ness of Brodgar, gefunden bei der Structure 10, mit freundlicher Genehmigung von © Hugo Anderson-Whymark

Axtkopf vom Ness of Brodgar, gefunden bei der Structure 10, mit freundlicher Genehmigung von © Hugo Anderson-Whymark

2010 waren wir das erste Mal auf den Orkneyinseln und begeistert von der Magie des wilden Inselarchipels, fasziniert vom Ring of Brodgar. Von den Ausgrabungen war zu der Zeit noch nichts zu sehen. Erst 2011, in „A History of Ancient Britain“, haben wir durch BBC-Moderator Neil Oliver von der Tempelanlage auf dem Ness of Brodgar erfahren. In der Dokumentation wurde eine aussagekräftige Grafik von National Geographic verwendet, die den Ness of Brodgar 2.800 v. Chr simuliert. Sofort war klar: das müssen wir uns irgendwann einmal ansehen! Ganz dringend. Ein inniger Wunsch.

Es sollte dann bis Mai 2015 dauern. Und zum Reisestart im April 2015 war ich noch pessimistisch, wusste ich doch, dass die Grabungsstätte nur in den Sommermonaten Juli und August offen liegt und wir nur im Mai auf den Orkneyinseln sein würden. Ich vertraute meinem Reisecredo: wenn ich dorthin soll, werde ich dorthin geleitet.

Es geschah dann so: Wir machten eine kleine Dokumentation für diesen Blog vom Beltane Fire Festival in Edinburgh Ende April 2015. Tom stellte irgendwann fest, dass die BBC dort auch mit einem Filmteam herumläuft. „Ok, klar machen die Aufnahmen von Beltane“ dachte ich mir. Ich war hauptsächlich beschäftigt, meinen günstigen Platz für Foto- und Filmaufnahmen bei Eiseskälte zu verteidigen, als Tom plötzlich kam und sagte: „Ich habe mit Neil gesprochen!!!“ „Wie jetzt, welcher Neil?“ „Na mit Neil Oliver!“ Als ob es das Normalste auf der Welt wäre. Ok. Und dann kam die Geschichte. Die Quintessenz war, dass Neil Oliver uns den Namen Nick Card nannte und wir uns auf Neil beziehen durften. Zwei Tage später hatten wir einen Termin bei Nick Card. Wenn ich dorthin soll, werde ich dorthin geleitet!

 

Die Begegnung mit Nick Card, dem Grabungsleiter des Ness of Brodgar

Longview House und das Ness
Der eiskalte Wind reißt mir die Autotür aus der Hand, als ich auf dem kleinen Parkplatz von Longview aussteigen will. Longview House, das Epizentrum der Ausgrabungen am Ness, stellt sich als ein erschütternd ernüchterndes Haus dar und gehörte früher zu einem Bauernhof. Über eine Kette glücklicher Fügungen geriet Longview in die Hände eines wohlgesonnenen Gönners und konnte somit nicht in falsche Hände geraten. Optimal kann es nun für die Grabungstätigkeiten genutzt werden.

Nick Card und Sabine Mey-Gordeyns am Ness of Brodgar ©Sabine Mey-Gordeyns

Nick Card und Sabine Mey-Gordeyns am Ness of Brodgar ©Sabine Mey-Gordeyns, travelstories-reiseblog.com

„Hallo Sabine und Tom, ich bin Nick, schön dass Ihr da seid. Ihr habt eine Stunde meiner Zeit!“ Nick Card, Grabungsleiter am Archäologischen Institut der University of the Highlands and Islands, öffnet uns die Tür, erkennt an unserem erstaunten Blick Überraschung. „Ja, es ist ziemlich einfach hier drin, aber wir sind überglücklich, dass wir dieses Haus direkt an der Ausgrabungsstelle haben: es gibt eine Küche und eine Toilette und wir können uns hier ab und zu aufwärmen. Essentiell für das Team, das im Juli kommt!“ Und schon sind wir mitten drin im Gespräch.

Und gleich wieder draußen. Der Wind wirbelt meine Haare ins Gesicht, Nieselregen benetzt die Brille, fotografieren oder filmen draußen können wir vergessen. Nick führt uns an den Rand der Ausgrabungsstätte. Wir blicken auf ein großes Loch, das mit schwarzem Plastik und sehr vielen Autoreifen abgedeckt ist. „Mit 40 Personen benötigt man allein 1,5 Tage, um die Grube wieder aufzudecken!“ So trivial sieht also die derzeit bedeutendste Jungsteinzeit-Grabungsstätte 10 Monate im Jahr aus. „Wir können dieses Jahr erstmals 8 Wochen graben anstatt sonst nur 6 Wochen und wir beginnen Anfang Juli“ , teilt uns Nick stolz mit. „Im Juli und August ist dann auch die Plattform aufgestellt, von der aus Touristen die Ausgrabungen beobachten können“.

Panoramabild der abgedeckten Grabungsstätte am Ness of Brodgar, Orkneyinseln, Mai 2015. Gut zu erkennen: der schmale Landstreifen zwischen zwei Gewässern ©Sabine Mey-Gordeyns

Panoramabild der abgedeckten Grabungsstätte am Ness of Brodgar, Orkneyinseln, Mai 2015. Gut zu erkennen: der schmale Landstreifen zwischen zwei Gewässern ©Sabine Mey-Gordeyns, travelstories-reiseblog.com

Der Wind treibt uns wieder ins Haus. Der Grabungsleiter einer der wichtigsten Ausgrabungen dieser Zeit residiert in einem unbeheizten Raum zwischen abgewetzten Ordnern, Notizen und aufeinandergestapelten blauen Plastikkörben, die Hunderte von beschrifteten Plastiktütchen mit Fundstücken enthalten. Es ist so kalt, dass ich meine gefütterte Outdoor-Jacke zum Interview anbehalte.

Nick Card
Ich bin neugierig. Und aufgeregt. Ich konnte mir nicht alle Fakten der Ausgrabungshistorie, die im Jahr 2003 mit der Entdeckung des Ness begann, merken. Die Fakten kann man auch in verschiedenen Publikationen nachlesen, die Nick mir vorab per email zur Verfügung gestellt hatte. Ich frage also eher Persönliches und Projektbezogenes. Darüber konnte ich im Internet wenig finden.
Auch Nick Card war schon als Junge fasziniert von den Abbildungen Tutanchamuns und war fest entschlossen, Archäologe zu werden. Sein Brotberuf ist die archäologische Vorprüfung von Bauvorhaben, die Grabungsleitung für den Ness macht er mehr oder weniger in seiner Freizeit, scherzt er.

Video (2 Min.): Nick Card über die Ausgrabungen am Ness of Brodgar, Orkney Islands, Schottland

 

Das Grabungsprojekt am Ness of Brodgar
Die Finanzierung des kompletten Projektes steht auf recht wackligen Füßen. Die staatliche Institution Historic Scotland, die eigentlich für so etwas zuständig sind, rettet nur noch akut bedrohte Stellen. Das Ness ist nicht akut vom Verfall bedroht und wird daher der Kategorie „Forschung“ zugeordnet und nicht von Historic Scotland gefördert. Man ist zu 100 % auf private Förderung angewiesen und sucht händeringend weitere Spender und Philanthropen. Dazu wurde inzwischen der Ness of Brodgar Trust aufgesetzt.

Nick Card führt schon seit Jahrzehnten archäologische Arbeiten auf den Orkneyinseln durch, sein Netzwerk beschränkt sich jedoch nicht nur auf die Highlands & Islands sondern ist in die ganze Welt verzweigt. Er hat ein motiviertes Team um sich geschart, in dem neben bezahlten Spezialisten vom Kernteam viele für wenig Geld oder ehrenamtlich arbeiten: Archäologen, Universitätsprofessoren, Studenten und ehrenamtliche Mitarbeiter aus aller Welt reißen sich darum, hier dabei zu sein. Beispielsweise ist ein liebenswertes Rentnerehepaar den ganzen Winter damit beschäftigt, 4.500 Plastiktüten mit Registrierungsnummern für die Funde vorzubereiten.

Bearbeitete Steinkugel vom Ness of Brodgar, gefunden bei der Structure 10, mit freundlicher Genehmigung von © Hugo Anderson-Whymark

Bearbeitete Steinkugel vom Ness of Brodgar, gefunden bei der Structure 10, mit freundlicher Genehmigung von © Hugo Anderson-Whymark

 

Verzierter Stein vom Ness of Brodgar, gefunden bei der Structure 10, mit freundlicher Genehmigung von Nick Card © ORCA

Verzierter Stein vom Ness of Brodgar, gefunden bei der Structure 10, mit freundlicher Genehmigung von Nick Card © ORCA

Die Finanzierung, die manchmal garstigen Wetterumstände und die Verfügbarkeit der ehrenamtlichen Helfer tragen dann auch dazu bei, dass die Ausgrabungszeiten immer nur sehr kurz sind: mittlerweile ist man froh, es auf ca. 8 Wochen in den Hochsommermonaten Juli und August zu bringen. Ende August wird schweren Herzens wieder alles abgedeckt, bis zum nächsten Sommer.

Luftaufnahme Ness of Brodgar, Structure 12, mit freundlicher Genehmigung von © Hugo Anderson-Whymark

Luftaufnahme Ness of Brodgar, Structure 12, mit freundlicher Genehmigung von © Hugo Anderson-Whymark

Derzeit sind nur ca. 10% des Gesamtkomplexes freigelegt, und davon auch nur die oberste Schicht: ein klarer Fall für dreidimensionale Archäologie, die wohl erst in der nächsten Generation in die tieferen Schichten vordringen wird. Derzeit werden erste dreidimensionale Modelle erstellt.

 

Zusatzinformationen

  • 2003 blieb am Pflug eines Bauern ein Steinblock hängen: danach begannen die Untersuchungen am Ness of Brodgar.
  • Vor 5.000 Jahren blühte auf den Orkneyinseln eine neue Kultur auf: die Avantgarde residierte auf Orkney bereits in Steinhäusern mit Schieferdach, hielt Vieh auf den Weiden und düngte al erste in Nordeuropa die Böden.
  • Die Strukturen des Ness of Brodgar befinden sich im Zentrum einer zeremoniellen Landschaft: Die Structure Ten ist über das Loch of Harray hinweg auf den Megalithgrabhügel von Maeshowe ausgerichtet. Am Tag der Wintersonnenwende fällt das Licht auf einen Standing Stone vor dem Grabhügel direkt in den Gang und lässt den Innenraum kurz aufleuchten – Licht im Haus der Toten am dunkelsten Tag des Jahres.
  • Der Katalog der am Ness ausgegrabenen Kunstgegenstände schlägt bereits alle Rekorde: tausende kostbare Artefakte wie polierte Steinäxte, zeremonielle Keulenköpfe, die kleine Tonfigur Brodgar Boy, bemalte Keramik und 650 Stücke neolithische Kunst.
  • Standing Stones of Stennes wurden ein halbes Jahrtausend früher aufgerichtet als Stonehenge – sie waren schon verwittert, als Stonehenge noch ein Ring aus Holzpfählen war.
  • Der Ring of Brodgar ist vom Umfang doppelt so groß wie Stonehenge : auf einer Hügelkuppe recken sich majestätisch noch 27 von 60 Steinstelen gen Himmel.
  • Im weitläufigen Britannien wurden dekorierte Scherben (grooved ware) gefunden, deren Ursprung mittlerweile eindeutig dem Orkney-Archipel zugeordnet werden kann. Deshalb liegt die Vermutung nahe, dass die bisherige archäologische These, der barbarische Norden sei aus dem zivilisierten Süden Britanniens kultiviert worden, komplett auf den Kopf gestellt werden kann: Trends und Ideen reisten von Orkney aus gen Süden

 

Mein Reisetipp: Ness of Brodgar besuchen

Das Weltkulturerbe „The Heart of Neolithic Orkney“ mit den Stones of Stennes, Maeshowe, Ring of Brodgar und Skara Brae muss man auf jeden Fall besichtigen. Am Ness of Brodgar kommt Ihr dann vorbei. Im Juli und August könnt Ihr von der Plattform aus bei den Ausgrabungen zusehen oder euch eventuell einer Führung anschließen. Bildet eure eigene Meinung darüber, ob die Wiege der jungsteinzeitlichen Kultur stand auf Orkney oder in Stonehenge stand.

Der Ring of Brodgar zur blauen Stunde: hier wird die Magie der Orkneyinseln direkt erfahrbar! ©Sabine Mey-Gordeyns

Der Ring of Brodgar zur blauen Stunde: hier wird die Magie der Orkneyinseln direkt erfahrbar! ©Sabine Mey-Gordeyns, travelstories-reiseblog.com

 

Praktische Informationen zur Anreise zu den Orkneyinseln

  • Anreise mit dem Flugzeug: Zielflughafen Kirkwall
  • Mit der Fähre nach Stromness: Northlink Ferries ab Scrabster
  • Mit der Fähre nach St. Margaret’s Hope im Süden des Archipels: Pentland Ferries ab Gills Bay
  • Transport von Stromness zum Ness of Brodgar auf Orkney Mainland, Schottland
  • Nächstgelegener Ort: Stromness
  • Es gibt eine Buslinie zwischen Stromness und Kirkwall, die in der Nähe von Maeshowe hält und ca. stündlich fährt. Von der Bushaltestelle sind auch die Stones of Stennes und Maeshowe gut zu erreichen. Zum Ring of Brodgar und zum Ness of Brodgar sind es ca. 2 km Fußweg an der Straße entlang.
  • Die Orkneyinseln im hohen Norden Schottlands eignen sich optimal als Abstecher für den Roadtrip #NorthCoast500.

 

Interessante Links zum Thema „Ness of Brodgar“

Neil Oliver präsentiert in „A History of Ancient Britain“ Orkney, Ness of Brodgar und Stonehenge (42 Min.). Dazu ein Video auf youtube.

Ein Film der Unesco über “The mystery of the Giants Stones: Neolithic Orkney” (3 Min.)

Ring of Brodgar im Weltkulturerbe "The Heart of Neolithic Orkney" auf den Orkneyinseln ©Sabine Mey-Gordeyns

Ring of Brodgar im Weltkulturerbe „The Heart of Neolithic Orkney“ auf den Orkneyinseln ©Sabine Mey-Gordeyns, travelstories-reiseblog.com

 

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© Foto und Texte: Sabine Mey-Gordeyns, travelstories-reiseblog.com

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12 Comments

  • Interessanter Artikel! In Stonehenge hatte ich dieselbe Erfahrung wie Du, Sabine: viel zu viele Menschen, und die Mystik blieb auf der Strecke. Ob wir es zum Ness of Brodgar schaffen, steht in den Sternen. Aber ich spüre schon bei einfachen Steinkreisen, die auf irgendeiner Wiese in Irland oder einer Viehweide in England stehen, mehr mystische Ausstrahlung als das in Stonehenge der Fall war.

  • Jutta sagt:

    Oh, Sabine, so eine tolle Begegnung! Über diese Ausgrabungen hatte ich im Frühjahr (?) in einer Ausgabe von National Geographic gelesen. Beeindruckend! Ganz toll!
    Liebe Grüße
    Jutta.

  • Sabine sagt:

    Liebe Jutta,
    ja das war ein echtes Highlight der Reise! Es freut mich, wenn meine eigene Begeisterung im Artikel rüberkommt. Ganz herzliche Grüße, Sabine

  • Sabine sagt:

    Danke für dein feedback, Monika!Und ja, auch die kleinen unbekannteren Steinkreise können es in sich haben… Es gibt so viele schöne großartige Orte, die es zu entdecken gilt!

  • Anna sagt:

    Ich habe auch schon von vielen gehört, dass Stonehenge stark überbewertet ist. Trotzdem (und auch nachdem ich deinen Bericht gelesen habe) möchte ich hin. Wahrscheinlich um mir selbst ein Bild zu machen und danach genau das gleiche festzustellen, wie alle anderen. 😉

    Herzlich,
    Anna

  • Sabine sagt:

    Liebe Anna,
    Stonehenge ist natürlich interessant, sicherlich seitdem unlängst das neue Besucherzentrum eröffnet hat, in dem man viel lernen und entdecken kann. Außerdem schärft so ein Besuch die eigene Wahrnehmung der Erwartungen und Wünsche an ein Reiseziel. Ich bin schon neugierig, wie es Dir in Stonehenge ergehen wird! Beste Grüße, Sabine

  • Andreas sagt:

    Liebe Sabine,

    auf dem Weg nach Cornwall bin ich auch bei Stonehenge vorbeigekommen. Diese Sehenswürdigkeit war in meinem Kopf auch ganz anders abgespeichert. Da sieht man welche Macht Bilder im Kopf haben und wie lange sie wirken können. Das sollte uns zu Denken geben. Photoshop macht alles möglich. Die meisten Bilder haben zu viel Sättigung und HDR ist in meinen Augen ganz fürchterlich. Die Zeit wird bald kommen, wo uns das überdrüssig wird. Dann werden wir sehen, dass des kaum noch gute, dokumentarisch aufgenommen Bilder gibt. Bilder die ehrlich sind, die die Zeit einfrieren, so wie sie ist. Die nicht das zeigen man technisch alles daraus basteln kann. Gruß Andreas

  • Antje sagt:

    Dein Bericht zeigt schön auf, dass es abseits der bekannten Must-see noch so viel zu entdecken gibt. Dass am Ende vielleicht noch viel spannender ist. Weil man noch keine konkrete Vorstellung davon im Kopf hat.

  • Unser Besuch in Stonhenge war auch eher ernüchternd. Riesige Menschenschlangen, viel Trubel und dadurch keine Spur von Mythos. Wir haben ziemlich schnell wieder das Weite gesucht. Dein Bericht gefällt uns trotzdem ausgesprochen gut!

  • Sabine sagt:

    Lieber Andreas,
    danke für deinen Kommentar. Ich bin absolut deiner Meinung. Wenn man sich Videos anschaut, geht es ja noch weiter: alles wird aktuell mit Oktokoptern von oben gefilmt, vieles bekommen wir nur noch in timelapse zu sehen. Irhendwann kann die Realität nicht mehr mithalten. Beste Grüße, Sabine

  • Sabine sagt:

    Genau Antje! Ist es nicht schön, wie wir als Reiseblogger dazu beitragen können, auch die Juwelen am Rande ausgetretener Pfade ins rechte Licht zu rücken?

  • Sabine sagt:

    Vielen Dank Silke und Thomas! Es ist frustrierend, dem Mythos so trivial zu begegnen… Aber in der Gegend gibt es zum Glück auch noch so viel anderes, interessantes zu entdecken!

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