Tanz in den Mai: Das Beltane Fire Festival in Edinburgh

© Sabine Mey-Gordeyns, travelstories-reiseblog.com

Beltane Fire Festival am 30. April in Edinburgh

Jedes Jahr am 30.4. gibt es eine ganz besonderes “Feuerwerk” in Edinburgh, wenn mit den alten Riten der Kelten das neue Jahr begrüsst wird. In der Nacht auf den 1. Mai wird Calton Hill in Edinburgh zum brodelnden Hexenkessel, wenn die Maikönigin und der “Green Man mit “heidnischen” Ritualen zehntausend Zuschauer verzaubern. Die moderne Walpurgisnacht, einer der besten Events in Edinburgh. Optimal, um ein verlängertes Wochenende oder eine Städtereise / Kurztrip in Edinburgh im Zusammenhang mit dem 1. Mai (Tag der Arbeit) zu verbringen.

“Sobald der heilige Funke entzündet ist, ertönt ein Hornsignal, die zeremoniellen Trommeln nehmen ihren tranceartigen Rhythmus auf und die Maikönigin erscheint im Gegenlicht oben auf der „Akropolis“ um ihren Gruß an alle Himmelsrichtungen zu bringen. Der eiskalte Wind bläht ihr fantasievoll gestaltetes Festgewand genau im richtigen Moment auf und transformiert sie so zu einer ätherischen Symbolfigur. Ein Moment der Poesie, der uns mit der Ewigkeit verbinden kann.”

Video: Beltane Fire Festival in Edinburgh
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Direkt zum Video Beltane Fire Festival in Edinburgh: https://youtu.be/lYkC2aXp5wM – bitte link kopieren und in Youtube einfügen.

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Beltane in „Die Nebel von Avalon“

Wer konnte sich in den 80-ern dem Bann der geheimnisvollen Morgaine mit dem magischen Schwert auf einem weißen Pferd entziehen? Auf dem Buchcover des Fantasy Klassikers von Marion Zimmer Bradleys „Nebel von Avalon“ schwebt Morgaine im Nebel auf dem See zwischen „den Welten der Götter und der Sterblichen“. . .

Zimmer Bradley verarbeitet in ihrem Roman auch das Motiv des keltischen Fruchtbarkeitsfests Beltane und wer das Buch gelesen hat, wird sich vielleicht daran erinnern, dass es dabei richtig zur Sache geht. Die Autorin hatte zu Recherchezwecken angeblich sogar Kontakt zu neuheidnischen Gruppen aufgenommen, die sich auf die Religion der Kelten beziehen.

Durch allgemeine Religionsmüdigkeit ist vielen Menschen den Zugang zu Ritual und Zeremonie abhanden gekommen, und in der heutigen Zeit haben viele von uns die Verbindung mit dem Jahreskreis und seinen Festen verloren. Klar, wir feiern Weihnachten, zu Sylvester gibt es Partys und Feuerwerk. Mehr und mehr lässt sich die westliche Gesellschaft auf Jahresmarker ein, die vornehmlich vom amerikanischen Konsumverhalten geprägt werden, so wie der Valentinstag oder Halloween. Wer weiß denn heute noch, dass es bei Halloween und Allerheiligen letztlich um das keltisch-gälische Fest Samhain geht?? Um das Ende der Erntesaison und um das Einläuten des dunklen Winterhalbjahres?

 

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Das National Monument in Form des Parthenon auf Calton Hill, Edinburgh ©Sabine Mey-Gordeyns, travelstories-reiseblog.com

Das Beltane Fire Festival in Edinburgh auf Calton Hill

Und so kennzeichnet Beltane am 30.4. genau das Gegenteil, den Sommeranfang. Die Nacht auf den 1. Mai wird von alters her gefeiert, man denke auch an den Tanz in den Mai oder die Walpurgisnacht. Im keltischen Kalender war es der erste Tag des Jahres, so eine Art keltisches Sylvester. Wie schön ist da doch die Idee, ein Beltane Fire Festival zu gestalten! Meine Begeisterung war also groß, als ich von den jährlichen Beltane-Feierlichkeiten in Edinburgh erfuhr.

1988 gründete eine Handvoll Enthusiasten die Beltane Fire Society und damals gestalteten 5 Interpreten eine kleine Zeremonie für 50 Menschen. Heute ist das Ganze ein spektakuläres Ereignis mit 300 Mitwirkenden und mehr als 10.000 Zuschauern geworden. Die gesamte Veranstaltung wird ehrenamtlich organisiert und durchgeführt und ist nicht profitorientiert. Die Eintrittsgelder sind notwendig, um den enormen Organisations- und Sicherheitsaufwand bestreiten zu können.

Nicht nur die Besucherzahlen sprechen dafür, dass dieses Ereignis in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist, sondern auch, dass das schottische Nationalmonument welches dem Parthenon auf der Akropolis nachempfunden ist, eine zentrale Rolle in der Zeremonie spielen darf.

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Die Maikönigin “The May Queen” erscheint! ©Sabine Mey-Gordeyns, travelstories-reiseblog.com

 

Die Beltane-Zeremonie

Am 30.4. geht mit Einbruch der Dunkelheit das alte Jahr zu Ende und gemäß den alten Riten sollten alle Feuer und Lichter im Dorf gelöscht werden, das ist natürlich im modernen Edinburgh nicht möglich, aber zumindest ist es gegen 22 Uhr auf Calton Hill einigermaßen dunkel. Dann wird der heilige Funke des neuen Jahres durch Holzreibung entzündet und im „Dorf“ verteilt.

Sobald der Funke entzündet ist, ertönt ein Hornsignal, die zeremoniellen Trommeln nehmen ihren tranceartigen Rhythmus auf und die Maikönigin erscheint im Gegenlicht oben auf der „Akropolis“ um ihren Gruß an alle Himmelsrichtungen zu bringen. Der eiskalte Wind bläht ihr fantasievoll gestaltetes Festgewand genau im richtigen Moment auf und transformiert sie so zu einer ätherischen Symbolfigur. Ein Moment der Poesie, der uns mit der Ewigkeit verbinden kann.

Der noch in seine Wintertracht gehüllte „Green Man“ gesellt sich zur Maikönigin und ihrem Gefolge und gemeinsam starten die beiden ihre zeremonielle Prozession über den Hügel. Durch den Feuerbogen gelangen sie in eine andere Welt, begleitet von weißen, blauen und roten Weggefährten. Besonders die Roten versinnbildlichen durch ihre Nacktheit die erneuernde und fruchtbare Energie des Sommers.
Begleitet wird das Ganze von Feuertanz und spektakulären Darbietungen am Rande, unablässig begleitet durch die Trommeln. Dem Green Man wird sein Winterkleid entrissen, die Maikönigin belebt ihn aufs Neue, der Sommer kann beginnen! Das große Freudenfeuer wird entzündet und nun beginnt der Tanz in die Nacht……

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May Queen und Green Man in der Prozession ©Sabine Mey-Gordeyns, travelstories-reiseblog.com

Eine Empfehlung für jeden, der das Träumen noch nicht verlernt hat und immer wieder auf der Suche ist. Oder einfach nur ein tolles Feuerspektakel mit vielen entspannten Menschen erleben möchte.

“Your sacred space is where you can find yourself again and again” – Joseph Campbell.

Praktisches und Organisatorisches

Tickets für ca. 10 Pfund können direkt am Abend des Festivals am Kartenbüro in Calton Hill erworben werden. Das Verkaufsbüro öffnet etwa ab 17.30 Uhr. Einlass ist ab 20 Uhr. Da es keine nummerierten Plätze gibt, stehen um 20 Uhr bereits TAUSENDE Menschen an. Frühes Erscheinen sichert also eine gute erste Ausgangsposition, aber nur am Anfang, das Geschehen bewegt sich! Beginn ist zwischen 21.30 Uhr und 22 Uhr, Dauer der Prozession 2-3 Stunden, danach open end. Es ist keine schlechte Idee, dort ausgeschlafen hinzugehen.

Fotografieren und Filmen ist grundsätzlich erlaubt, jedoch wegen der Menschenmenge, der Dunkelheit und den Sicherheits-Leuchtwesten eine echte Herausforderung .

Kleidung: Es kann am 30.4. noch sehr kalt sein, auf Calton Hill ist man dem Wind ausgesetzt und man wird Stunden stehen und warten. Warme Kleidung, Wollstrümpfe, Schuhe mit dicken Sohlen, Mütze und Handschuhe und eventuell Regenschutz sind nützliche Begleiter.
Weiterhin empfehlen die Veranstalter eher Woll- und Baumwollkleidung anstelle von Hightech-Klamotten wegen der generellen Feuergefahr.

Weiterführende Informationen:
Webseite der Beltane Fire Society
Facebookseite der Beltane Fire Society

Wir wurden von der Beltane Fire Society zu diesem Festival eingeladen.

Mystisch geht es auch auf den Orkneys im Norden Schottlands zu: beispielsweise am Ring of Brodgar, in dessen unmittelbarer Nähe derzeit am Ness of Brodgar eine “Steinzeitkathedrale” ausgegraben wird, die Stonehenge in den Schatten stellen wird.

© Foto und Texte: Sabine Mey-Gordeyns, travelstories-reiseblog.com

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8 Comments

  • Jutta sagt:

    Ah, das Träumen habe ich tatsächlich noch nicht verlernt! Mir jagen Mythen und Legenden und die damit verbundenen Riten immer einen wohligen Schauer über den Rücken. Den Sommer einläuten, für die Ernte danken, böse Geister vertreiben: faszinierend! Ich bin beeindruckt wie aufwändig die Kostüme hier beim Beltane Fire Festival gestaltet sind. Und übrigens höre ich heute zum ersten Mal davon! Gefällt mir : ) Sonnige Grüße, Jutta

  • Sabine sagt:

    Liebe Jutta,
    wie schön, daß ich Dir eine neue Facette von Schottland bzw. Edinburgh zeigen konnte. Mir liegt daran, ein facettenreiches Bild eines Landes zu zeigen und mit meinem Blog auch auf vielleicht eher Unbekanntes aufmerksam zu machen! Freut mich sehr, daß es Dir gefällt.
    Beste Grüße,
    Sabine

  • Anna sagt:

    Das klingt super interessant. Ich habe für eine Hausarbeit mal etwas über das Beltane Fest recherchiert und wusste gar nicht, dass man es heute tatsächlich noch begeht. Dann wächst meine Bucket List wohl wieder um einen Punkt an. ;-)

    Herzlich,
    Anna

  • Sabine sagt:

    Anna, dann kannst Du gleich noch einen anderen interessanten Punkt auf deine Bucket-List setzen: Samhain (Halloween) – auch dieses Jahreskreisfest wird noch heute von der Beltane Fire Society in Edinburgh in Szene gesetzt. Beltane lohnt sich auf jeden Fall! Viel Freude unterwegs, Sabine

  • Monika and Petar Fuchs sagt:

    Das muss ein Gänsehaut erzeugendes Erlebnis sein, Sabine. Ich mag solche alten Legenden, und Zeremonien, die sie zum Leben erwecken. Vor allem in den ehemals keltischen Regionen sind diese Bräuche noch sehr lebendig. Ich kenne solche Orte vor allem aus England und Irland. Selbst erlebt habe ich ein solches Fest allerdings noch nicht.

  • Andreas sagt:

    Liebe Sabine,

    der Übergang vom Winter zum Frühling inspiriert zu diesem mystischen Beltane-Fest. Du hast die für mich fremdartige Zeremonie gut im Video und in einem schönen Text festgehalten. Bei uns im Allgäu gibt es den “Funken”, dabei wird eine Hexe auf einem großen Holzstoß verbrannt. Dann gibt es später in Deutschland die Osterfeuer oder die Walpurgisnacht im Harz. Dein Bericht motiviert mich. Rituale verbinden. Schottland wäre für mich ein Land das ich einmal gern bereisen möchte. Gruß Andreas

  • Sabine sagt:

    Gänsehaut, ja! Die Trommeln, die Mystik, das Feuerwerk – und der eiskalte Wind. Es war der Wahnsinn. Ich habe da noch so ein paar keltische Feste auf meiner Reisewunschliste stehen…..

  • Sabine sagt:

    Lieber Andreas,
    der “Funken” würde mich auch einmal interessieren. Ich mag diese alten Jahreszeitenfeste mit ihrer Mystik und Magie. In Schottland gibt es auch einiges davon zu erleben…..
    Beste Grüße, Sabine

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