Offene Gärten in Amsterdam: Gedrängel im Grachtengarten-Paradies

Amsterdam Gärten ©Sabine Mey-Gordeyns, travelstories-reiseblog.com

Open Tuinen Dagen – Offene Grachtengärten – Open Garden Days in Amsterdam

Jedes Jahr öffnen sich in Amsterdam Türen, die neugierigen Besuchern und Touristen sonst verschlossen bleiben. Jeweils am dritten Wochenende im Juni finden in Amsterdam die „Open Tuinen Dagen“ (Open Garden Days Amsterdam, Offene Grachtengärten) statt.

Unter den 25 Gärten befinden sich Museen, Institutionen und sehr viele Privatgärten. Einige davon öffnen ihre Gartenpforte erstmals der Öffentlichkeit. Dieser Event ist mehr als einen Tagesausflug nach Holland wert!

Zwei Besonderheiten machen diese Veranstaltung zum herausragenden Ereignis:

Einerseits liegen alle Gärten im historischen Zentrum von Amsterdam, dem Grachtengürtel aus dem Goldenen Zeitalter, der 2010 zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt wurde.

Andererseits führt der Weg zum Grachtengarten meist durchs stattliche Renaissance- oder Barockhaus aus dem Goldenen Zeitalter und eröffnet dem Besucher einmalige Einblicke in das Leben der Amsterdamer.

Wer hat sich nicht schon einmal gefragt, was sich wohl hinter den prachtvollen Fassaden Amsterdamer Kaufleute verbirgt?

8 Meter breit sind die meisten Häuser im Grachtengürtel, schmal für die Anlage eines Gartens ©Sabine Mey-Gordeyns

8 Meter breit sind die meisten Häuser im Grachtengürtel, schmal für die Anlage eines Gartens ©Sabine Mey-Gordeyns, travelstories-reiseblog.com

Es ist den Amsterdamern hoch anzurechnen, dass sie bereit sind, ihre grünen Oasen für ein Sommerwochenende mit der Öffentlichkeit zu teilen. Während der Recherchen für das Buch „Die geheimen Gärten von Amsterdam“ habe ich sehr viele Gespräche mit Amsterdamer Gartenbesitzern geführt. Mir gefällt ihre Haltung, dass sie sich als Bewahrer der Kultur verstehen und sich in der Pflicht sehen, das kulturelle Erbe auch mit massiven finanziellen Einsatz zu erhalten. Man denkt im Grachtengürtel in Generationen. „Wir machen jetzt das Dach. Die nächste Generation muss sich dann um den Fußboden kümmern.“ Aus dieser Haltung heraus muss man auch die Bereitschaft verstehen, für ein Wochenende lang Publikum zuzulassen. Obwohl es sich manchmal wie eine Invasion anfühlen muss, wenn sich nach so einem langen Wochenende mehrere tausend Besucher verschwitzt durch den engen Flur gedrückt haben und mit vielen ahs! und ohs! mehr oder weniger fachfraulich den Garten kommentiert haben. Allerspätestens Sonntags herrscht Gedrängel im grünen Paradies, da sind nicht nur die Besucherfüße platt sondern auch so einiges im Garten.

Nur der Wasserstrahl plätschert in der Stille der Grachtengärten ©Sabine Mey-Gordeyns

Nur der Wasserstrahl plätschert in der Stille der Grachtengärten ©Sabine Mey-Gordeyns, travelstories-reiseblog.com

In der Reflektion in diesem Teich in einem Grachtengarten scheint die Zeit still zu stehen ©Sabine Mey-Gordeyns

In der Reflektion in diesem Teich in einem Grachtengarten scheint die Zeit still zu stehen ©Sabine Mey-Gordeyns, travelstories-reiseblog.com

Garten des Museum van Loon mit Blick auf das restaurierte Kutschhaus ©Sabine Mey-Gordeyns

Garten des Museum van Loon mit Blick auf das restaurierte Kutschhaus ©Sabine Mey-Gordeyns, travelstories-reiseblog.com

Rein „gartentechnisch“ sollte man auf keinen Fall die üppigen Gärten Cornwalls vor Augen haben. Was kann man bei den „Offenen Gärten in Amsterdam“ erwarten?
Viel Buchsbaum, oft in kunstvolle Ornamente und Hecken geschnitten. Unzählige Hortensien in allen Farben. Viel Schatten, wenig Gras. Was die Amsterdamer (bzw. deren Gärtner) ihren kargen, feuchten Böden abringen, ist oft sehr dezent in monotonem Grün gehalten, manchmal auch farbenprächtig bunt. Weiterhin: vielleicht Kräuter im Garten oder ein Gemüsebeet, Empire-Stil in rosa, Designergärten und Gemeinschaftsgärten. Und vor allem: Ausnehmend freundliche Bewohner. Redet mit ihnen. Es lohnt sich.

Detail einer Gartenstatue, das zum Träumen einlädt ©Sabine Mey-Gordeyns

Detail einer Gartenstatue, das zum Träumen einlädt ©Sabine Mey-Gordeyns, travelstories-reiseblog.com

Meditation über die Liebe und die Zeit: Sonnenuhr mit Rosen in einem Amsterdamer Grachtengarten ©Sabine Mey-Gordeyns

Meditation über die Liebe und die Zeit: Sonnenuhr mit Rosen in einem Amsterdamer Grachtengarten ©Sabine Mey-Gordeyns, travelstories-reiseblog.com

Praktische Tipps für ein gelungenes Wochenende während der Offenen Gartentage in Amsterdam

Zeitraum: Jeweils das dritte Wochenende im Juni

Offene Grachtengärten 2016: 17, 18, 19 Juni.
2017 finden die Open Tuinen Dagen vom 16.-18. Juni statt.

Öffnungszeiten: an allen 3 Tagen von 10:00 Uhr bis 17:00 Uhr

Eintrittskarten: im Vorverkauf reduziert im Webshop des Museum van Loon, ansonsten an diesen Startadressen

Achtung: Im Webshop wird ein Voucher erworben, der an einer der Startadressen in ein 3-Tagesticket umgetauscht werden muss. Zusammen mit dem 3-Tagesticket erhält man auch den Mini-Stadtplan, auf dem schematisch die etwa 25 teilnehmenden Gärten eingezeichnet sind. Für begleitete Kinder unter 12 Jahren ist kein separates Ticket erforderlich.

Bitte beachten: Für die meisten Gärten besteht kein behindertengerechter Zugang!

Anreise mit dem PKW: Es ist unmöglich, mit dem PKW die einzelnen Adressen anzusteuern, da im Grachtengürtel kaum Parkplätze vorhanden sind. Hat man dennoch einen Parkplatz ergattert (die Chance liegt bei 0), scheitert man am komplizierten Bezahlsystem. Die polizeilichen Maßnahmen für unbefugtes Parken in Amsterdam sind drastisch und die Triade Abschleppen, Bußgeld und Radkralle ist 24 Stunden am Tag im Einsatz.

Pretty in Pink im Amsterdamer Grachtengarten ©Sabine Mey-Gordeyns

Pretty in Pink im Amsterdamer Grachtengarten ©Sabine Mey-Gordeyns, travelstories-reiseblog.com

Lauschiges Plätzchen im Garten ©Sabine Mey-Gordeyns

Lauschiges Plätzchen im Garten ©Sabine Mey-Gordeyns, travelstories-reiseblog.com

Hortensien gedeihen optimal im Halbschatten der Grachtengärten

Hortensien gedeihen optimal im Halbschatten der Grachtengärten, © Sabine Mey-Gordeyns, travelstories-reiseblog.com

Die Natur will Dich zurück! - Amsterdamer Grachtengarten ©Sabine Mey-Gordeyns

Die Natur will Dich zurück! – Amsterdamer Grachtengarten ©Sabine Mey-Gordeyns, travelstories-reiseblog.com

Und noch mehr Insider Tipps für den Besuch der Amsterdamer Gärten

  • Wenn man möglichst viele Gärten besuchen möchte, sollte man die 3 Tage auch ausschließlich dem Besuch der Gärten widmen.
  • Das liegt mir am Herzen: beherzigt bitte unbedingt die Privatsphäre der Eigentümer. Wenn irgendwo ein Hinweis steht, dass Fotografieren unerwünscht ist, ist das unbedingt zu respektieren.
  • Denkt daran, rechtzeitig eine Unterkunft zu reservieren, die Offenen Gartentage Amsterdam sind mittlerweile zu einer äußerst beliebten Veranstaltung geworden, die alljährlich ihre eigenen Besucherrekorde bricht (Tau-sen-de!).
  • Seid! früh! dran! Am ersten Tag (immer: Freitag) ist jeweils der „ruhigste“ Tag. Spätestens am Samstag und Sonntag stehen die Besucherinnen (ja, die meisten sind Frauen….) in langen Schlangen bis auf die Straße und warten geduldig auf Einlass.
  • Besorgt euch gleich Freitag morgens um 10 Uhr die Dauerkarte für 3 Tage. Erst mit der Eintrittskarte bekommt Ihr die Information, welche Gärten sich in dem jeweiligen Jahr an den „Open Tuinendagen“ beteiligen. Die Gärten werden kurz beschrieben und die Lage ist auf einem Garten-Stadtplan markiert. Es besteht keine Möglichkeit, die Laufroute vorher zu planen.
  • Sobald Ihr den Gartenplan habt: überlegt euch eure eigene Route. Plant eine Mittagspause ein. Mir hat es gut gefallen, im Garten des Museum van Loon kleine Köstlichkeiten zu mir zu nehmen.
  • Wo ist der beste Startpunkt für den Besuch der Amsterdamer Gärten? Überall. Denn jeder Einstiegspunkt, an dem man Eintrittskarten kaufen kann, verführt bereits mit seinem Garten zu einem ausführlichen Bummel. Hier ist jedoch mein Geheimtipp, sozusagen als Belohnung für alle, die so weit gelesen haben: wer seine Eintrittskarte in der Keizersgracht 177 bei Amnesty International kauft, wird mit sehr großer Wahrscheinlichkeit feststellen, dass sich in unmittelbarer Nähe ein offener Privatgarten befindet. Einer der sich wirklich lohnt und mittlerweile eine visuelle Ikone geworden ist. Und mehr sage ich dazu jetzt nicht.
  • Wollt Ihr bestimmte Gärten sehen, von denen Ihr vielleicht schon einmal irgendwo Fotos gesehen habt? Druckt euch die Fotos aus und fragt beim Kartenkauf, ob diese Gärten mitmachen und an welcher Adresse sie zu finden sind.
  • Mietet euch vorab ein Fahrrad, die Entfernungen sind nicht zu unterschätzen. Pro Tag kommen da locker mehrere Kilometer zusammen. Praktisches, bequemes Schuhwerk ist auch nicht zu verachten.
Oase in der Großstadt: Garten in Amsterdam ©Sabine Mey-Gordeyns

Oase in der Großstadt: Garten in Amsterdam ©Sabine Mey-Gordeyns, travelstories-reiseblog.com

Während meiner drei Jahre dauernden Recherche zu den „Geheimen Gärten von Amsterdam“ habe ich ca. 50 Gärten in Amsterdam besucht, viele davon fotografiert und über 30 Interviews mit Gartenbesitzern geführt. In dieser Zeit war ich mit Fotoausrüstung, Stativ und Faltrad unterwegs. Es war eine wundervolle Zeit mit vielen bereichernden Begegnungen, für die ich sehr dankbar bin. Derzeit ist das Buch leider ausverkauft und auch im Antiquariat vergriffen. Die DVA denkt über eine Neuauflage nach.

Buchtitel Die geheimen Gärten von Amsterdam von Karin Greiner und Sabine Mey-Gordeyns ©Sabine Mey-Gordeyns

Buchtitel Die geheimen Gärten von Amsterdam von Karin Greiner und Sabine Mey-Gordeyns ©Sabine Mey-Gordeyns, travelstories-reiseblog.com

Informationen der Organisatoren in Niederländisch und Englisch findet Ihr bei den opentuinendagen.nl .

Und wenn Ihr dann noch eine weitere grüne Oase sucht: Der Hortus Botanicus ist wirklich schön und hat eine traumhafte Orangerie, in der es sich angenehm entspannen und speisen lässt.

Minztee im Hortus Botanicus Amsterdam ©Sabine Mey-Gordeyns

Minztee im Hortus Botanicus Amsterdam ©Sabine Mey-Gordeyns, travelstories-reiseblog.com

Mit diesem Reiseführer kannst du deinen Wochenendtrip nach Amsterdam optimal vorbereiten. Und hier erfährst Du mehr über den meiner Meinung nach besten Campingplatz von Amsterdam.

© Foto und Texte: Sabine Mey-Gordeyns, travelstories-reiseblog.com

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#opentuinendagen #opengardendays

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14 Comments

  • Kerstin sagt:

    Hach, ein herrlich geschriebener und bebilderter Artikel, liebe Sabine! Da hab ich gleich Lust, nochmal zu den Open Tuinen Dagen zu gehen! Dieses Jahr bin ich leider nicht da, werde es mir aber nächstes Jahr nochmal fest vornehmen! Einfach ein tolles Erlebnis, hinter die Fassaden der Grachtenhäuser blicken zu dürfen und in diese ganzen wunderschönen Gärten einzutauchen. Kann ich jedem nur empfehlen!
    Ganz liebe Grüße,
    Kerstin

  • Sabine sagt:

    Vielen Dank, liebe Kerstin! Man kann sich ja jedes Jahr 5-6 Gärten vornehmen, es kommen ja auch immer wieder neue Gärten hinzu.

  • Andreas sagt:

    Die geheimen Gärten von Amsterdam würde ich auch gern einmal besuchen. Schöner Bericht und schöne Fotos sind Dir gelungen. Gärten sind die grünen „Oasen“ der Stadt und in Amsterdam werden sie sogar zu Sehenswürdigkeiten. Man könnte auch in anderen Städten soviel machen…

  • Sabine sagt:

    Danke, Andreas. Man muss wissen, dass die Organisation der „Open Tuinen Dagen“ komplett in ehrenamtlicher Hand liegt. Viele Menschen legen viel Herz und Seele in diese wunderbare Angelegenheit. Gartenfans sind oft aussergewöhnliche Menschen.

  • Ein Traum, Sabine! Gärten lieben wir sowieso, aber die holländischen haben es uns besonders angetan, gerade weil sie nicht jedermann zugänglich sind. Wir haben schon einige davon in Leiden entdeckt, aber die von Amsterdam sehen noch verführerischer aus. Und Deine Fotos: grandios!

  • Jutta sagt:

    So schön Sabine! Ich hoffe, ich schaffe es in diesem Jahr. Ich liebe Gärten, vor allem die zurückhaltenden. In Kombination mit Architektur … ein Traum! Wann ist dein Buch wieder erhältlich? Liebe Grüße, Jutta

  • Sabine sagt:

    Danke, Monika und Petar! Die „Open Tuinen Dagen“ in Amsterdam haben schon etwas Exklusives, das ist wahr. Nur einmal im Jahr gibt es die Gelegenheit, einmal einen Blick hinter verschlossene Türen zu werfen….

  • Sabine sagt:

    Die Prozesse in so einem Verlag dauern ja recht lange: ich weiss tatsächlich leider noch nicht, wann das Buch neu aufgelegt wird, Jutta. Einige Gärten werden Dir sehr gut gefallen, manche Designer und Gärtner haben großen Wert darauf gelegt, einen Bezug zwischen Garten und Architektur herzustellen. Liebe Grüße, Sabine

  • Sabine sagt:

    Da fällt mir nur ein passender Kommentar ein: wunderschön! Welch traumhafte Bilder. Bald geht es für mich auch das erste Mal nach Amsterdam, ich freue mich schon sehr darauf.
    Liebe Grüße von deiner Namenskollegin,
    Sabine

  • Sabine sagt:

    Liebe Sabine,
    es freut mich sehr, dass Dir meine Fotos gefallen und ich wünsche Dir eine zauberhafte Reise nach Amsterdam!!
    Herzlich, Sabine

  • Liebe Sabine, ein wunderschöner Bericht! Da bekomme ich direkt Lust, nächstes Jahr hinzufahren, obwohl ich schon 2 Mal in Amsterdam war. Von diesen Gärten hab ich noch nie gehört.
    Lg Dagmar

  • Sabine sagt:

    Liebe Dagmar, vielen Dank! Die Gärten sind wirklich sehenswert – und in und um Amsterdam gibt es ja immer wieder etwas Neues zu entdecken. Beste Grüße Sabine

  • Liebe Sabine,
    ich bin sehr häufig in niederländischen Privatgärten unterwegs, in den Grachtengärten war ich allerdings noch nicht. Danke für den Bericht mit so stimmungsvollen Bildern.
    Mit herzlichen Gartengrüßen
    Birgit Fellecke

  • Sabine sagt:

    Liebe Birgit, für Gartenfans lohnen sich die Amsterdamer Grachtengärten auf jeden Fall!

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