Mit der Smyril Line auf die Färöer Inseln

Unbekannte Welt: Die Färöer Inseln

– Wasserfälle, deren feine Wasserstrahlen der Wind wie ätherische Regengeister nach oben treibt, Sturm und graue Wolken: das war mein inneres Bild der Färöer Inseln. Eine einwöchige Reise dorthin im Mai 2012 hat mich eines Besseren belehrt. Denn auch auf den sonst sturmumtosten Inseln im Nordatlantik kann es sonnig und warm werden. Sogar so warm, dass die Färinger in Scharen zu ihren natürlichen Badeplätzen in den Bergen strömen und erst wieder nach Hause fahren, wenn sie sich von der Sonne krebsrot haben brennen lassen und Glückshormone für die nächsten Wochen gespeichert haben.

Ich hatte also Glück mit dem Wetter, und das auch bei der Schiffsreise.
Das Faszinierende an Inseln ist, dass die Reise zu den Färöer Inseln bereits etwas Besonderes sein kann, vor allem wenn man sich für eine Anreise auf dem Seeweg entscheidet. Mir gefällt diese Art von Slow Travel – sie gibt einem die Möglichkeit, sich langsam auf ein Land und seine Menschen und Kultur einzuschwingen.

Mit dem Schiff auf die Färöer Inseln – Erfahrungen mit der Smyril Line

Die Färöer erreicht man von Dänemarks Norden aus. Die Hafenstadt Hirtshals liegt im Norden Jütlands, dort schifft man sich mittags auf der MS Norröna ein. Die neue Norröna wurde 2003 als kombiniertes Kreuzfahrt- und Frachtschiff für die färingische Reederei Smyril Line gebaut und kann bis zu 800 Autos und 1500 Passagiere befördern.

Smyril ist der färingische Name für den Merlin, eine seltene Falkenart der nördlichen Hemisphaere und die einzige auf den Färöer Inseln vorkommende Greifvogel-Art. Und so ziert den mächtigen Schornstein des Schiffes das stolze Firmenlogo mit dem Falkenkopf, darunter der Schriftzug: „Explorers of the North Atlantic“. Wenn das nicht nach Abenteuer klingt!

Der Merlin als Emblem ©Sabine Mey-Gordeyns, travelstories-reiseblog.com

Gut zu wissen, dass auf der Brücke ausschließlich färingische Seeleute das Ruder in der Hand haben. Das Wetter im Nordatlantik kann tückisch werden und genau damit sind Färinger aufgewachsen. „Die färingische Seeleute sind ganz harte Seebären“ erzählt ein erfahrener deutscher Mitreisender, schätzungsweise in den Sechzigern, den wir auf dem Aussendeck treffen „die navigieren lieber durch den wildesten Sturm anstatt ihn zu umfahren“.

Zwischen 30 und 36 Stunden dauert die Reise mit der Fähre auf die Färöer Inseln bis zum Zielhafen Tórshavn auf den Färöer Inseln. Das bedeutet zwei Übernachtungen an Bord und da ist eine eigene Kabine mit allem Komfort wie Dusche, WC und TV schon ganz angenehm. Wer Probleme hat, am Urlaubsanfang zu entschleunigen: hier gelingt es sicher! Auf hoher See gibt es weder Handy-Empfang noch Internet – es sei denn man ist bereit gegen einen beträchtlichen Betrag das schiffseigene Netzwerk zu nutzen. Aber wozu?

Auf dem Deck der Norröna ©Sabine Mey-Gordeyns, travelstories-reiseblog.com

Es ist doch viel schöner, die kleine Kreuzfahrt zu genießen! Ein gemütliches spätes Frühstück im Restaurant, dann vielleicht die Beine an Deck vertreten oder einen windgeschützten Platz suchen, sich in den hölzernen deckchair sinken lassen und ein wenig dösen. Am Spätnachmittag kommen dann die Shetland-Inseln in Sicht, das darf man nicht verpassen. Nach einem köstlichen Abendessen in einem der Restaurants genießt man noch Bier der färingischen Brauerei „Føroya Bjór“ draußen in der Frische des Aussendecks und schaut der Sonne beim Untergehen zu. So erholsam kann eine Mini-Kreuzfahrt sein.

Wir hatten großes Glück, für uns war sowohl die Hinreise Mitte Mai und die Rückreise Ende August ein Kreuzfahrterlebnis wie aus einem Werbe-Katalog: meistens war es sonnig und der Meeresgott Aegir war äußerst milde gestimmt. Die vorsorglich bereitgelegten Tabletten gegen Seekrankheit waren vollkommen überflüssig.

Es kann jedoch auch ganz anders laufen, erfuhren wir während unseres dreimonatigen Aufenthalts in Island. Wir trafen viele Reisende, die eine Woche vor uns gebucht hatten und den Nordatlantik von seiner ungezähmten Seite erleben mussten. Schlafen in einer Kabine im Bug des Schiffes war aufgrund von geschätzten 10 m Wellenhöhe unmöglich weil man aus dem Bett rollte, selbst abgehärtete Besatzungsmitglieder wurden seekrank. Wegen des Sturms legte die Norröna vor ihrer Weiterfahrt nach Island eine eintägige Zwangspause in Torshavn ein. Und das will schon etwas heißen, wenn ein Färinger vor einem Sturm kapituliert.

Am Montagmorgen legt die Norröna dann sehr früh (zwischen 5.00 und 6.00 Uhr) in Torshavn an. Es empfiehlt sich wirklich, diesem abgelegenen und faszinierenden Inselarchipel mindestens eine Woche zu widmen.

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Die Färöer Inseln: Paradies der Superlative für Entdecker

Wer gerne ein wenig abseits der ausgetretenen touristischen Pfade unterwegs ist, findet hier noch Echtes und Ursprüngliches. Nicht umsonst hat die Zeitschrift National Geographic Traveler 2007 die Färöer Inseln zur Nr.1 Insel-Destination (von 111) ausgerufen, wenn es um die unzerstörte Natur und die kulturelle Identität geht.

2015 haben die Färöer Inseln sogar den begehrten „Readers choice“ (National Geographic Traveler) gewonnen und sind wiederum die Nr.1 der „Besten Reisen weltweit“.

Unsere Reise zu den Färöer Inseln wurde freundlicherweise von der Smyril Line und visitfaroeislands.com unterstützt. Herzlichen Dank dafür!

© Foto und Texte: Sabine Mey-Gordeyns, travelstories-reiseblog.com

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Panoramablick ©Sabine Mey-Gordeyns, travelstories-reiseblog.com

Du liebst den Hohen Norden und suchst ähnliche Beiträge wie „Erfahrungen mit der Smyril Line?“? Vielleicht reist Du ja weiter nach Island und möchtest Papageientaucher beobachten? Oder wie wäre es einmal abseits der Touristenströme auf den magischen Orkney Inseln? Oder zur Heiligen Insel Iona an der schottischen Westküste?

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2 Comments

  • Jutta sagt:

    Die Überfahrt von Dänemark nach Island mit Aufenthalt auf den Färöern hatte ich für dieses Jahr mit meinem Sohn geplant, aber die Pläne mussten noch ein wenig aufgeschoben werden. Ich sehe, dass es hier viel Lesestoff zum frischen Norden gibt: Genau mein Ding! Wünsche eine fabelhaften Sonntag, Jutta

  • Sabine sagt:

    Ich hoffe, daß Du deine Reisepläne für die Färöer nicht zu lange aufschieben mußt. Es ist dort wirklich erfrischend anders.

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