Geheimnisvolles Island: Die Elfenkönigin und das Seemonster

©Sabine Mey-Gordeyns, travelstories-reiseblog.com

– Im abgelegenen Nordosten Islands, abseits der ausgetretenen Touristenströme, gibt es Interessantes zu entdecken. Sagen, Legenden und Geschichten prägen diese Region besonders intensiv. Bis in die Mitte des letzten Jahrhunderts war eine es noch mit großem Aufwand verbunden, um die Gegend überhaupt zu erreichen und niemand unternahm diese Reise ohne Notwendigkeit. Heutzutage lockt Borgafjördur Eystri viele Naturfreunde, die auf dem Vogelfelsen Hafnarholmi Papageitaucher beobachten. Es gibt da aber noch diese Sache mit der Elfenkönigin…

Eine spektakuläre Fahrt von Egilsstaðir nach Borgafjörður Eystri liegt hinter uns. Zunächst auf der gut ausgebauten 94, dann über Schotterpisten auf den Bergpass Vatnsskarð mit Blick auf den mehr als 1100 m hohe Dyrfjöll und danach entlang des steilen Küstenabschnitts vor Borgafjörður der auch Njardvikurskridur genannt wird. Gefährlich ist es hier seit Urzeiten, ein Monster genannt Naddi, stürzt hier Mensch und Tier ins Unglück. Das Naddakross zeugt legt bis heute Zeugnis von diesen Geschichten ab, dazu aber mehr am Ende dieser Geschichte, zunächst begeben wir uns auf die Suche nach der Elfenkönigin.

 

Auf der Suche nach der Elfenkönigin: Gibt es Elfen in Island?

Am Ortsrand von Borgafjörður Eystri liegt „Alfaborg“, die Elfenburg. Die isländische Folklore besagt, dass hier die Elfenkönigin mit ihrem Hofstaat residiert. Die nächstgelegenen Häuser befinden sich deshalb auch in respektvoller Entfernung. Das moderne Island hat zu den Naturgeistern eine recht interessante Einstellung „Es könnte ja sein, dass sie wirklich existieren!“ Zeitweise hatte das isländische Bauamt sogar eine offizielle Elfenbeauftragte in Dienst, die durch Absprachen mit dem unsichtbaren Volk dafür sorgen sollte, dass die Elfen bestimmte Bauprojekte nicht weiter sabotieren. Schon in der Edda tauchen die Elfen als Alben auf. Man glaubt, die Elfen seien den Menschen ähnlich, nur größer, schöner und edler…

Allein schon wegen der Landschaft lohnt sich ein Besuch bei der Elfenkönigin auf der Elfenburg ©Sabine Mey-Gordeyns

Allein schon wegen der Landschaft lohnt sich ein Besuch bei der Elfenkönigin auf der Elfenburg ©Sabine Mey-Gordeyns, travelstories-reiseblog.com

Phänomen Elfenburg aus der Ferne ©Sabine Mey-Gordeyns

Phänomen Elfenburg aus der Ferne ©Sabine Mey-Gordeyns, travelstories-reiseblog.com

Majestätisch erhebt sich die Elefnburg aus der Ebene vor dem Rhyolithgebirge ©Sabine Mey-Gordeyns

Majestätisch erhebt sich die Elfenburg aus der Ebene vor dem Rhyolithgebirge ©Sabine Mey-Gordeyns, travelstories-reiseblog.com

 

Nachdem wir die Infotafel „City of Elves“ passiert haben, präsentiert sich uns ein vielleicht 15 m hoher Solitär-Hügel mitten in der Landschaft. Es ist schon spektakulär, wie dieser Brocken massiven Gesteins so mir nichts dir nichts aus der Ebene emporsteigt – das Gebilde könnte auch ein Raumschiff sein, welches gerade gelandet ist. Es ist wohl dieser Widerspruch zwischen Erdung und Ätherischem, der einen so magisch anzieht. Die Lage trägt das Ihrige dazu bei: Bakkagerði ist umgeben von farbenprächtigen Rhyolithgebirgen („Fließstein“), die von schwarzen Lavalinien durchzogen sind und zu den geologischen Attraktion der Region zählen. Insgesamt wirkt alles geheimnisvoll, manchmal sogar ein wenig überirdisch…

Infotafel bei der Elfenburg - Alfaborg - City of Elves ©Sabine Mey-Gordeyns

Infotafel bei der Elfenburg – Alfaborg – City of Elves ©Sabine Mey-Gordeyns, travelstories-reiseblog.com

Der Weg zur Elfenburg ©Sabine Mey-Gordeyns

Der Weg zur Elfenburg ©Sabine Mey-Gordeyns, travelstories-reiseblog.com

Auch im vollen Sonnenlicht irgendwie - unheimlich ©Sabine Mey-Gordeyns

Auch im vollen Sonnenlicht irgendwie – unheimlich ©Sabine Mey-Gordeyns, travelstories-reiseblog.com

Die von Menschen bewohnte Welt hält sich selber auf respektvollem Abstand ©Sabine Mey-Gordeyns

Die von Menschen bewohnte Welt hält sich selber auf respektvollem Abstand ©Sabine Mey-Gordeyns, travelstories-reiseblog.com

Gesichter im Fels? ©Sabine Mey-Gordeyns

Gesichter im Fels? ©Sabine Mey-Gordeyns, travelstories-reiseblog.com

Was schaut mich da an?? ©Sabine Mey-Gordeyns

Was schaut mich da an?? ©Sabine Mey-Gordeyns, travelstories-reiseblog.com

Elfenburg - bizarre Formen ©Sabine Mey-Gordeyns

Elfenburg – bizarre Formen ©Sabine Mey-Gordeyns, travelstories-reiseblog.com

Im gleißenden Mittagslicht fällt es uns natürlich schwer, das ohnehin eher durchsichtige Volk zu orten – es zeigt sich nicht gerne im Sonnenlicht. Dennoch streben wir auf dem angelegten Wanderpfad nach oben, bewundern die Aussicht und die geheimnisvollen Steinformationen, die uns abwechselnd Gesichter oder Spielzeugburgen vorgaukeln wollen. Ich kann mir vorstellen, dass es hier bei Nieselregen, Wind und Zwielicht recht ungemütlich werden kann und dass das nicht nur am Wetter liegen mag.

Nach einer Mittagspause bei Fischsuppe denken wir nach über die Rückfahrt über die 94 nach Egilsstaðir.

 

Wo steckt das isländische Seemonster Naddi?

Wir machen uns auf den Rückweg und müssen wieder den steilen Küstenabschnitt vor Borgafjörður, den Njardvikurskridur, entlang. Unheil drohte vor allem im Winter, wenn die Pfade glatt und schmaler wurden, schnell konnte man ausrutschen oder von einer Lawine begraben und in die Tiefe gerissen werden. Dieser Wegabschnitt birgt dunkle Geheimnisse von Tod und Verderben. Kein Wunder also, dass die Geschichten über diese Gegend erschreckend und fantastisch sind und – neben schriftlich dokumentierten Unglücksfällen – als Volksmärchen in die hiesige Folklore eingegangen sind.

Eine besondere Rolle spielt darin das Monster Naddi, halb Mensch, halb Tier und es soll seine Wohnstatt an der gefährlichsten Stelle der kurvenreichen Küstenstraße Njardvikurskridur haben. Besonders nach Einbruch der Dunkelheit, berichteten Reisende, seien sie Opfer von Naddi geworden, der sie mit Einschüchterungsversuchen, Angriffen und Irrlichtern ins Unglück stürzen wollte. Schließlich gelang es einem mutigen Bauern aus Borgafjörður, das Monster Naddi zu überwältigen und ins Meer zu treiben.

Infotafel beim Naddakross ©Sabine Mey-Gordeyns

Infotafel beim Naddakross ©Sabine Mey-Gordeyns, travelstories-reiseblog.com

Njardvikurskridur ©Sabine Mey-Gordeyns

Njardvikurskridur ©Sabine Mey-Gordeyns, travelstories-reiseblog.com

Altes Foto von 1954 vom Naddakross ©Sabine Mey-Gordeyns

Altes Foto von 1954 vom Naddakross ©Sabine Mey-Gordeyns, travelstories-reiseblog.com

Naddakross bei Borgafjördur ©Sabine Mey-Gordeyns

Naddakross bei Borgafjördur ©Sabine Mey-Gordeyns, travelstories-reiseblog.com

Daraufhin wurde erstmals 1306 ein hölzernes Kreuz als Zeichen zur Überwindung des Bösen entlang des Weges errichtet. Es trägt die lateinische Inschrift: „Effigiem Christi qui transis pronus honora“ (Ehre das Bild Christi in Verneigung, der Du vorübergehst). Naddakross heißt es bis in die heutige Zeit.

Einige Zeilen aus einem Gedicht sind bis heute überliefert, und aus dem Isländischen ins Englische übersetzt lauten sie wie folgt:

The cross of Naddi is a fallen tower
Our lives are lacking protection
But God’s sacred power
will ensure its resurrection.

Nachdem wir kurz innegehalten und die Atmosphäre dieses Ortes intensiv in uns aufgenommen haben, wird einmal tief ein- und ausgeatmet und wir klettern wieder in den Geländewagen. Die spektakuläre Aussicht nimmt uns fast den Atem, da schießt von links aus dem Nichts ein Schaf über die Straße, wir können gerade noch rechtzeitig eine Notbremsung vornehmen. Es ist besser, hier nicht ins Schlingern zu geraten, gähnt doch gleich nebenan der Abgrund und das eiskalte Nordmeer. Wir sehen uns an, reden kein Wort, pressen die Lippen aufeinander und fahren der Sonne entgegen.

 

Praktische Informationen zur Besichtigung der Elfenburg und des Naddakross in Bakkagerði

Anreise: ab Egilsstaðir über die 94 ca. 80 km Kilometer bis Borgafjördur/ Bakkagerdi

Straßenbeschaffenheit: Zum Großteil befestigt, teilweise noch geschottert.

Geländewagen erforderlich: nein

Fahrzeit: ca. 90 – 120 Minuten einfach

Beste Reisezeit: zwischen Ende Mai und Anfang August, bei schlechter Sicht birgt der Weg Gefahren.

Übernachtungsmöglichkeiten in Borgafjördur Eystri: vorhanden

Busverbindung: eventuell fährt 1 mal täglich in der Hauptsaison ein Minibus, in der Touristeninformation Egilsstadir erkundigen

Öffnungszeiten der Elfenburg – City of Elves: Der Zugang zum Elfenhügel ist immer offen. Respekt gegenüber isländischen Überzeugungen ist geboten. Auch wenn Ihr selber nicht an die Existenz von Elfen „glaubt“, verhaltet euch bitte so, dass Ihr die Einheimischen nicht brüskiert.

Öffnungszeiten Naddakross: Auch das Naddakross ist öffentlich zugänglich. Auch hier ist respektvolles Verhalten gegenüber den ehemaligen Opfern und Glaubenswelten der Isländer eigentlich selbstverständlich.

Weiterführende Informationen: http://www.borgarfjordureystri.is/home

Vielleicht interessiert Dich auch: „Die besten Plätze um Papageitaucher zu beobachten in Island“ oder der Buchtipp „Wo Elfen noch helfen“.

©Sabine Mey-Gordeyns

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© Foto und Texte: Sabine Mey-Gordeyns, travelstories-reiseblog.com

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